Erdsteine „made in The Gambia“ – ein elementarer  „Booster“ für das Bauhandwerk

BANTABA | Mai 2022 | Samuel Gebert

Seit Gambia eine neue Regierung hat, deren Präsident Ende 2021 wieder gewählt wurde, boomt die Bauindustrie im Land. Dass vor wenigen Wochen nun auch das Parlament mit vielen jungen Abgeordneten neu gewählt wurde, stärkt das Vertrauen der Menschen im  kleinsten Land Afrikas. Man will wieder dort wohnen, leben und arbeiten.  Das gilt in gewisser Hinsicht auch für Gambia in der Diaspora: sie senden Geld an ihre Familien in der Heimat … um bauen zu lassen. Eine kluge Entscheidung, denn ich kann einen kräftigen Aufschwung in Gambia beobachten – trotz „Corona-Zeiten“.

Entscheidend ist jetzt allerdings, WIE gebaut wird, mit welchem Knowhow und welchem Qualitätsstandard . Das wird nämlich mittelfristig den Unterschied machen zwischen der sprichwörtlichen „afrikanischen Improvisations-Kunst“ sowie einer langfristig tatsächlich werthaltigen und im Wert steigenden Bausubstanz.

Heute in einer Woche bin ich wieder für einige Monate in Gambia. Während dieser Phase werden wir damit beginnen, unser Ausbildungzentrum in Koli Kunda zu bauen. Es wird aus vielen Gebäuden für jeweils unterschiedliche Ausbildungszwecke bestehen. Diese Bauphase nutzen wir direkt, um junge Frauen und Männer im Bereich Bau so auszubilden, dass sie Vorzeige-Qualität liefern können. Ziel dieser Massnahme ist es, dass sie nicht mehr auf dem Niveau von  Hilfsarbeitern oder Handlangern arbeiten müssen sondern sich mit diesem Wissen und Können eine solide berufliche Existenz für sich und ihre Familien aufbauen können.

Die Curricula sehen anders aus als in Europa, wo über drei bis vier Jahre ausgebildet wird. Wir werden eine stufenweise duale Ausbildung mit kürzeren Ausbildungs-Einheiten und mit einem qualifizierten Abschluss anbieten.

Das Ausbildungszentrum wird aus „afrikanischen Rundhäusern“ bestehen, die wir mit gepressten Erdsteinen bauen werden.  Diese Erdsteine bieten in vielerlei Hinsicht Vorteile gegenüber oft verwendeten Lehm- oder Betonsteinen. Einerseits finden wir überall in The Gambia die dafür geeignete Erde im Überfluss. Darüber hinaus ist dieser Baustoff  leicht und in guter Qualität herzustellen: der Erde wird 5% Zement und etwas Wasser beigemischt, um daraus mit einer guten manuellen oder maschinellen Erdpresse ein breites Spektrum an verschieden geformten und dauerhaft stabilen Mauersteinen herzustellen.

* Berufsbezeichnung: Erdsteinhersteller. Berufliche Perspektive: Aufbau eines lokal / regional wirksamen, handwerklich ausgerichteten Produktionsbetriebs.

* Ein weiterer, damit entstehender Beruf: Maurer. Berufliche Perspektive: Facharbeiter mit dem Potential sich zum Vorarbeiter und Meister weiterzuentwickeln.

Und das ist erst der Anfang … Ich freue mich sehr auf diesen Auftakt !

Zu Beginn werden wir uns die manuellen Pressen leihen, denn zunächst benötigen die Auszubildenden ausreichend Zeit und Anleitung, um die grundlegenden Prozesse zu verinnerlichen. Das ist körperlich harte Arbeit aber Voraussetzung für den qualifizierten Umgang  mit einer maschinell arbeitenden Erdsteinpresse. Erst, wenn der Produktionsprozess ein durchgängig gutes Qualitäts-Niveau erreicht hat und wir gleichzeitig eine angemessene Nachfrage absehen können, werden wir eine maschinelle Presse anschaffen.

Auf tesito.eco/bantaba werden wir nun regelmäßig über die Fortschritte berichten. Und natürlich freuen wir uns über jeden finanziellen und ideellen Beitrag.

Unsere ersten, zweckgebundenen Spenden-Projekte :

  • Mittel für den Aufbau des Ausbildungszentrums in Koli Kunda und die Ausbildung eines ersten Bau-Teams.
  • Mittel für die Anschaffung einer maschinellen Erdsteinpresse zum Aufbau einer regional wirksamen, handwerklichen Erdsteinproduktion

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